HackerTube: Karpathy baut mit Claude ein YouTube in 2 Stunden
HackerTube ist ein YouTube aus 6454 Videos, die auf Hacker News empfohlen wurden. Andrej Karpathy baute es mit Claude Opus 5.5 in Claude Code, ohne Code zu schreiben.
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Andrej Karpathy hat am 31. Oktober HackerTube veröffentlicht: eine Seite im Stil von YouTube mit Videos, die Leute in Kommentaren auf Hacker News empfohlen haben. Wie er in seinem Blog schreibt, hat Claude Opus 5.5 in Claude Code das Ganze in etwa 2 Stunden gebaut, und der Thread auf Hacker News landete mit über 1100 Punkten und 345 Kommentaren auf Platz eins.
Was ist HackerTube?
Eine Alternative zur YouTube-Startseite, gebaut aus dem, was sich HN-Leser gegenseitig empfohlen haben. Darin stecken:
- 6454 Videos aus den Jahren 2007–2026, aufgeteilt in 150 Themen.
- Ein eigener „For You“-Feed ohne Konto, weil der Zustand im Browser gespeichert wird.
- Vorschaubilder aus der Mitte des Videos (im Wortlaut „the 50% thumbnail“) statt der von den Erstellern hochgeladenen, also weniger Clickbait.
- Tastenkürzel und ein „Longs“-Filter für lange Inhalte.
- Ein Datenexport, damit jeder ihn seinem eigenen KI-Agenten geben und eine eigene Version bauen kann.
Die Idee entstand aus Frust. Karpathy beschreibt einen Freitagabend auf YouTube als „enshittified wall of slop“ und schreibt, der Algorithmus „definitely does not work“ bei ihm. Am nächsten Morgen bat er Claude um eine Alternative.
Wie entstand HackerTube?
Hier wird es spannend. Laut dem Beitrag nutzt Karpathy standardmäßig Opus 5.5 auf der Stufe Medium in der Desktop-App von Claude Code auf dem Mac. Der Ablauf sah so aus:
- Claude lud einen Datensatz mit Hacker-News-Kommentaren von Hugging Face herunter.
- In einem sogenannten Workflow (einer Funktion von Claude Code) ließ er Sonnet darüber laufen, das Spam aussortierte und den Bestand auf rund 40.000 Kommentare mit YouTube-Empfehlungen eingrenzte.
- Daraus entstanden die Videoliste, eine Oberfläche im YouTube-Stil, das Deployment auf einem VPS und zum Schluss Absicherung und Optimierung.
Von Hand hat Karpathy wenig gemacht. In den HN-Kommentaren schreibt er, dass er selbst nichts angefasst, sondern nur mit Claude gesprochen hat („I only talked to Claude the whole project“). Ausnahmen waren der YouTube-API-Schlüssel in Google Cloud, die Domain, ein DNS-Eintrag und das Starten des VPS. Im Blog ergänzt er, dass er nichts mehr macht, was „anything resembling traditional engineering“ wäre.
Warum reden alle darüber?
Erstens der Autor. Karpathy ist Mitgründer von OpenAI und ehemaliger KI-Chef bei Tesla, und seine Wochenendprojekte bestimmen regelmäßig, worüber das KI-Internet spricht (er hat „Vibe Coding“ populär gemacht). Seit Mai 2026 arbeitet er im Pretraining-Team bei Anthropic, lobt also das Werkzeug der eigenen Firma – das sollte man beim Lesen seiner Begeisterung im Hinterkopf behalten.
Zweitens das Tempo. Von der Idee bis zur funktionierenden, deployten Seite vergingen etwa 2 Stunden, inklusive einer Datenpipeline über zehntausende Kommentare.
Drittens die Arbeitsweise. Karpathy schreibt in den Kommentaren, dass seine Prompts immer kürzer und „dumber“ werden, weil das Modell ohnehin versteht, worum es geht. Manchmal tippt er nur „check recent cyber stuff“, und Claude startet von selbst mehrere Subagenten. Er schränkt aber ein, dass er nur Opus 5.5 und neueren Modellen so sehr vertraut („The thing is beast mode“).
Auch die HN-Leser schätzen das Ergebnis: Sie loben die Kuration und dass bei jedem Video die HN-Kommentare zu sehen sind, die es empfohlen haben. Karpathy fügte während der Diskussion laufend Funktionen hinzu, etwa die Sortierung nach Datum über „Filter“.
Worauf sollte man achten?
Erstens auf die Nutzungsbedingungen von YouTube. Ein Kommentator beschrieb, wie Google ein ähnliches Projekt zum Verschwinden aus dem Netz gezwungen hat. HackerTube nutzt eingebettete YouTube-Player, die Werbung erreicht die Ersteller also trotzdem, aber das Risiko bleibt.
Zweitens auf die Erwartungen. Einige Kommentatoren geben zu, dass ihre KI-Agenten auf halbem Weg aufgeben oder sich widersprechen, und bezweifeln, dass sie das in 2 Stunden wiederholen könnten. Karpathy ist eher ein Extremfall: Er weiß genau, was er will, und kennt die Daten.
Drittens auf die Kosten. Der Beitrag nennt nicht, wie viele Tokens das Projekt verbraucht hat. Wer selbst etwas Ähnliches ausprobieren will, sollte die Limits im Blick behalten, denn Claude Code kann Tokens auf nicht offensichtliche Weise verbrauchen.
FAQ
Ist HackerTube kostenlos?
Ja, hackertube.org funktioniert ohne Konto und ohne Anmeldung. Die Videos laufen über den eingebetteten YouTube-Player.
Kann ich mein eigenes HackerTube bauen?
Karpathy stellt den Datenexport genau dafür bereit: um ihn dem eigenen KI-Agenten zu geben und eine eigene Version zu bauen. Wer gerade mit Claude Code anfängt, findet die Grundlagen in meiner Anleitung.
Welches Modell hat Karpathy verwendet?
Claude Opus 5.5 auf der Stufe Medium in Claude Code und zum Filtern der HN-Kommentare Sonnet, das in einem Workflow lief.
Wie lange hat der Bau von HackerTube gedauert?
Laut Karpathys Beitrag etwa 2 Stunden, vom Herunterladen der Daten bis zur deployten Seite.